Vorsicht, Schuldenfalle!
09.01.2010 | 18:33 | (Die Presse)
Wer Staatsanleihen kauft, muss in diesem Jahr etwas genauer hinsehen. Vor allem aus der osteuropäischen Nachbarschaft,
Wer einem möglicherweise drohenden Rückschlag an den Börsen entkommen möchte, indem er in Staatsanleihen investiert, sollte sich die Länder, denen er Geld borgt, gerade in diesem ...
Vorsicht, Schuldenfalle!
09.01.2010 | 18:33 | (Die Presse)
Wer Staatsanleihen kauft, muss in diesem Jahr etwas genauer hinsehen. Vor allem aus der osteuropäischen Nachbarschaft,
Wer einem möglicherweise drohenden Rückschlag an den Börsen entkommen möchte, indem er in Staatsanleihen investiert, sollte sich die Länder, denen er Geld borgt, gerade in diesem Jahr sehr genau anschauen. Die Schuldenkrise der Staaten ist nämlich keineswegs vorbei, sondern beginnt erst, so richtig aufzublühen. Eine Aussicht, die die Anleihenmärkte heuer durchaus negativ beeinflussen wird.
Die Royal Bank of Scotland hat jetzt eine Liste mit jenen Ländern erstellt, denen 2010 eine ernste Schuldenkrise droht. Auf der Liste finden sich 14 Namen. Davon unangenehm viele aus der osteuropäischen Nachbarschaft, wo österreichische Banken stark engagiert sind. Sollten die Schottenbanker recht behalten und diese Staaten tatsächlich ernsthaft ins Schwimmen kommen, dann würde das über den Umweg der Banken auch österreichische Staatspapiere negativ beeinflussen. Schon 2009 gerieten die österreichischen Bundesanleihen unter Druck, weil internationale Investoren (damals zu Unrecht) Österreich als Opfer der Osteuropakrise sahen.
Auf der Liste findet sich eine Reihe von Kandidaten, die schon im Vorjahr vom Internationalen Währungsfonds gestützt werden mussten. Etwa Ungarn, Island, Lettland und Rumänien. Aber auch Länder, die bisher ohne IWF auskamen, könnten ernste Probleme bekommen. Die Royal Bank of Scotland denkt da an Kroatien, Litauen, Bulgarien, Estland und – überraschenderweise – auch Polen. Weiters könnten Bahrain, Panama, Kasachstan und der Libanon in Turbulenzen geraten. Aber auf die Idee, Staatsanleihen dieser Länder zu kaufen, dürften „normale“ Privatanleger ohnehin nicht kommen. josef urschitz
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2010)